Langwieriger Großeinsatz wegen entlaufener Rinderherde

Datum: 30. April 2021 um 9:47
Dauer: 10 Stunden 13 Minuten
Einsatzart: Technische Hilfeleistung
Einsatzort: Stadtgebiet – Wald
Fahrzeuge: Einsatzleitwagen (12/1), Hilfeleistungslöschgruppenfahrzeug (40/1), Mittleres Löschfahrzeug (47/1), Drehleiter (30/1), Löschgruppenfahrzeug (41/1), Rüstwagen (61/1), Mehrzweckfahrzeug (11/1), Gerätewagen (55/1), Mannschaftstransportwagen (14/1)
Weitere Kräfte: FF Burgkirchen, FF Emmerting, FF Haiming, FF Mehring, FF Piesing, FF Raitenhaslach, FüGK, Kreisbrandinspektion Altötting, Polizei, Rettungsdienst


Einsatzbericht:

Eine entlaufene Rinderherde hat am Freitag zu einem etwa zehnstündigen Großeinsatz von 155 Einsatzkräften geführt. Gegen zehn Uhr gingen mehrere Mitteilungen ein, dass sich zahlreiche Rinder im Bereich zwischen der Krake und dem Ortseingangsbereich von Burghausen auf der Fahrbahn aufhalten. Mehrere Kräfte von Polizei und der Freiwilligen Feuerwehr Burghausen sperrten den betroffenen Bereich sofort großräumig ab, um eine Gefährdung für Verkehrsteilnehmer auszuschließen. Ein Großteil der Herde bewegte sich beim Eintreffen der Feuerwehr unkontrolliert im Waldbereich zwischen der Bundesstraße und den Gleisanlagen eines nahegelegenen Industriebetriebs, weshalb auch für den Schienenverkehr sofort entsprechende Warnungen herausgegeben wurden. Bereits zu diesem frühen Zeitpunkt war zu erkennen, dass die Tiere in dieser für sie unnatürlichen Umgebung großem Stress ausgesetzt sind, auf jegliche Annäherung aggressiv reagieren und kaum örtlich festgesetzt werden können. Da die Tragweite des Einsatzes bereits zu diesem frühen Zeitpunkt von den Entscheidungsträgern erkannt wurde, wurde am nahe gelegenen Trimm-Dich-Pfad eine gemeinsame Einsatzleitung von Polizei und Feuerwehr eingerichtet. Aufgrund des weitläufigen Geländes und der großen Anzahl an entlaufenen Tieren wurden die Freiwilligen Feuerwehren aus Mehring, Raitenhaslach und Emmerting nachalarmiert. Mit einem kopfstarken Aufgebot an Einsatzkräften wurde versucht, einzelne Tiere zu lokalisieren, festzusetzen und einzufangen. Hierbei kam es immer wieder zu gefährlichen Situationen für die Einsatzkräfte, da die Tiere weiterhin aggressiv auf jegliche menschliche Annäherung reagierten. Die Herde hatte sich nun größtenteils zerstreut und es kam an verschiedenen Stellen zu Sichtungen, welche immer wieder eine Sperrung des Straßenverkehrs notwendig machten. Wenig später kam es zu einer gefährlichen Situation bei der Einsatzleitung. Ein verstörtes Rind trat nämlich unvermittelt aus dem Unterholz hervor und stürmte auf die Mitglieder der Einsatzleitung zu, welche sich selbst nur durch einen Sprint retten konnten. Der Einsatzleitwagen der Feuerwehr wurde bei dieser Attacke beschädigt. Wenige Meter weiter wurde eine Einsatzkraft der Feuerwehr bei einem Einfangversuch verletzt. Auch an anderen Orten kam es zu gefährlichen Aufeinandertreffen von Fußtrupps und es kann nur von großem Glück gesprochen werden, dass es keine weiteren Verletzten gab. Die aufgebrachten Tiere stellten somit für die Einsatzkräfte eine erhebliche Gefahr dar und von Seiten der Polizei wurde entschieden, die Tiere als letzte denkbare Lösung auch mit der Schusswaffe außer Gefecht zu setzen, wenn ein Einfangen nicht möglich ist. Aus diesem Grund wurden mehrere Jäger, ein Tierarzt mit einem Betäubungsgewehr und Polizeischützen an die Einsatzstelle alarmiert. Um die Einsatzstelle von weiterem Personenverkehr, wie etwa Radfahrern abzusperren, wurden die Freiwilligen Feuerwehren aus Piesing und Haiming nachalarmiert. Im weiteren Verlauf des Tages wurde das komplette Waldgebiet mit einer Suchkette von Feuerwehreinsatzkräften durchkämmt. Mehr als zehn Stunden unternahmen mehr als 150 Einsatzkräfte unter teilweise hoher Eigengefährdung alles Menschenmögliche, um die Tiere unbeschadet einfangen zu können und eine Gefahr für Verkehrsteilnehmer abzuwenden. Leider war dies nicht in jedem Fall möglich und so wurden mehrere Tiere von Jägern und Polizeischützen erlegt. Durch die große Anstrengung der Einsatzkräfte in Zusammenarbeit mit dem Viehhalter gelang es jedoch, einige Tiere lebend einzufangen. Neben zahlreichen weiteren Einsatzkräften verschiedenster Organisationen kam auch die Drohne des Katastrophenschutzes des Landkreises Altötting zum Einsatz, welche bei der Freiwilligen Feuerwehr Burgkirchen stationiert ist.