Die Großbaustelle am Salzachzentrum ist aktuell wohl nicht nur einzigartig im weiten Umkreis, sondern stellt auch die Freiwillige Feuerwehr Burghausen vor besondere Herausforderungen.Der alles überragende Turmdrehkran mit einer Höhe von 60 Metern, die bereits errichteten weitläufigen Rohbauten und die mächtige Baugrube inmitten des Stadtgebietes stellen aktuell ein besonderes Objekt im Schutzgebiet der Freiwilligen Feuerwehr Burghausen dar.
Dass das Areal aufgrund seiner Größe und Lage eine besondere Aufmerksamkeit verlangt, ist der Feuerwehr hierbei mehr als bewusst. Unabhängig vom jetzigen Neubau des Salzachzentrums war es bereits im Oktober vergangenen Jahres zu einem Schadensereignis mit mehreren Verletzten im Bereich der benachbarten Bestands-Tiefgarage gekommen, als eine Kohlenstoffmonoxid-Anreicherung einen Großeinsatz auslöste. Auch wenn jener Vorfall in keinem Zusammenhang mit der jetzigen Baustelle oder den aktuell tätigen Firmen stand, unterstrich er die Wichtigkeit einer detaillierten Ortskenntnis. Bereits damals zahlte sich die Objektkunde der Feuerwehr aus und so rückte das Areal nun erneut in den Fokus der Verantwortlichen. Beim Bauherren VR Bank und der Planungs- und Baufirma Hinterschwepfinger stieß das Anliegen auf offene Ohren. „Sicherheit hat auf unseren Baustellen oberste Priorität“, erklärt Josef Hinterschwepfinger jun. „Also sind wir dem Wunsch der Feuerwehr nach einer Übung natürlich gerne nachgekommen.“
Am vergangenen Donnerstag war es dann so weit und die angenommene Lage war durchaus fordernd. Im Übungsszenario war das Kranseil gerissen, an dem ein etwa 250 kg schweres Schalungselement befestigt war. Dieses stürzte zu Boden und klemmte einen Bauarbeiter ein. Durch den Rückschlag wurde zudem eine Person, die Wartungsarbeiten durchführte, aus dem Kranturm geschleudert und kam in etwa 20 Metern Höhe gesichert im Außenbereich zum Hängen.
Ersteintreffend war Kommandant und Einsatzleiter Florian Hobmeier, welcher nicht wusste, welches Szenario ihn erwartet. „Das gehört zur realistischen Übungsdurchführung dazu und es gehen erstmal alle Blicke nach oben, wenn gemeldet wird, dass eine Person am Kran hängt und um Hilfe schreit“, so Hobmeier. Durch eine gründliche Erkundung wurde allerdings auch die am Boden eingeklemmte Person schnell entdeckt und so konnten zwei Einsatzabschnitte gebildet und die eintreffenden Kräfte entsprechend koordiniert werden. Zur Rettung der in der Höhe befindlichen Person stieg ein in der einfachen Rettung aus Höhen und Tiefen ausgebildeter Trupp auf und betreute diese. Nach dem Anbringen einer zweiten Sicherung konnte die verunfallte Person mit einem Auf- und Abseilgerät in die Tiefe gerettet werden.
Als anspruchsvoll erwies sich auch die Befreiung der unter der Schalungsplatte eingeklemmten Person in der Baugrube. Mit Hebekissen wurde die Platte angehoben und sicher unterbaut. Erschwerend kam allerdings hinzu, dass sich der Bauarbeiter durch den Sturz auch noch eine Pfählungsverletzung durch einen aus dem Boden ragenden Baustahl am Oberarm zugezogen hatte. Nachdem der Betonstabstahl mit einem Trennschleifer abgeschnitten wurde, konnte die gerettete Person der BRK-Bereitschaft Burghausen übergeben werden, welche ebenso in die Übung eingebunden war. Eigentlich wäre auch geplant gewesen, dass die Höhenrettungsgruppe der Werkfeuerwehr der Wacker Chemie AG an der Übung teilnimmt. „Aufgrund eines Einsatzes auf dem Werkgelände musste die Teilnahme allerdings kurzfristig abgesagt werden“, informiert Manuel Böhm von der Feuerwehr Burghausen, welcher die Übung mit der Werkfeuerwehr ausgearbeitet und organisiert hatte.
Nach rund zwei Stunden war das umfangreiche Übungsszenario erfolgreich abgearbeitet. Zu Schulungs- und Ausbildungszwecken hatte man sich bei jedem Arbeitsschritt bewusst mehr Zeit gelassen, als dies im Ernstfall geschehen würde. Über den Ablauf zufrieden zeigte sich Kreisbrandmeister Stephan Laumann, welcher für die Kreisbrandinspektion Altötting die Übung begleitete. Kommandant Florian Hobmeier richtet indes den Blick nach vorne, da die Baustelle sich auch noch über eine längere Zeit erstrecken und ständig verändern wird. „Das Sicherheitsbewusstsein und die Zusammenarbeit mit der ausführenden Firma Hinterschwepfinger ist hierbei vorbildlich und so wird dies mit Sicherheit nicht die letzte Übung am Salzachzentrum gewesen sein“, informiert Hobmeier abschließend.





























