Ein ungewöhnlicher Anblick bot sich so manchem Passanten und vor allem zahlreichen Kunden des samstäglichen Bauernmarktes in der Messehalle, welcher wegen einem dort stattfindenden intensiven Praxistrainings der Feuerwehr Burghausen dankenswerterweise extra auf den Vorplatz ausgewichen war. An insgesamt 9 schrottreifen Pkw trainierten nämlich 33 Feuerwehrdienstleistende das richtige Vorgehen und die technische Rettung nach einem Verkehrsunfall. „Das sechsstündige Praxistraining hat unseren Einsatzkräften alles abverlangt und ein breites Spektrum aus dem Bereich der technischen Hilfeleistung bei Verkehrsunfällen behandelt“, erklärt 2. Kommandant Michael Hauf, welcher sich für die Organisation verantwortlich gezeichnet hatte. Zur Durchführung konnte Hauf ein dreiköpfiges externes Trainerteam aus dem Vertriebsnetzwerk des führenden Rettungstechnikherstellers Holmatro gewinnen, mit dessen Gerätschaften die Feuerwehr Burghausen ausgestattet ist.
Die Mannschaft wurde hierzu in drei Gruppen aufgeteilt, welche sich rotierend an wiederum drei Stationen mit verschiedenen Lagen konfrontiert sah. Es wurde jeweils ein Verkehrsunfall angenommen, bei dem der Fahrer im Fahrzeug eingeklemmt wurde. Von der Rettung aus einem auf allen vier Rädern stehenden Pkw, steigerte sich der Schwierigkeitsgrad über ein Fahrzeug in Seitenlage, bis hin zur Dachlage. „Das strukturierte Vorgehen nach der sogenannten ABS-Regel ist allerdings in allen Fällen gleich“, informierte Trainer Manfred Gebert. ABS steht hier für die Schritte „Absichern“, „Brandschutz sicherstellen“ und „Stabilisieren“. Zunächst gilt es, den Eigenschutz sicherzustellen, wozu unter anderem die Verkehrsabsicherung an der Unfallstelle gehört. Da bei einem Verkehrsunfall stets auch eine Brandgefahr gegeben ist, gilt es im Anschluss, einen doppelten Brandschutz sicherzustellen, welcher in den meisten Fällen über die Schnellangriffseinrichtung vom Feuerwehrfahrzeug und durch einen bereitgestellten Pulverlöscher realisiert wird. Bevor mit der technischen Rettung dann begonnen werden kann, gilt es im Schritt des Stabilisierens etwa das Fahrzeug gegen Wegrollen zu sichern und mit Unterbaumaterial zu stabilisieren.
Bei allen weiteren Maßnahmen zur technischen Rettung richtet sich alles nach dem Wohl der eingeklemmten Person und deren Befreiung aus dem Fahrzeug. Für viele Feuerwehrdienstleistende war es hierbei eine interessante Erfahrung, sich während der Rettung ins Fahrzeuginnere zu begeben und die Eindrücke aus Patientensicht am eigenen Körper erleben zu können. Für die Rettung selbst gibt es kein Patentrezept, da sich die Lage nach jedem Verkehrsunfall anders darstellt und zum Beispiel Zugänglichkeit, Fahrzeugtyp und der Grad der Deformation jeweils ein individuelles Vorgehen erfordern. Hierbei bot das Praxistraining ausreichend Möglichkeit, aus dem Vollen zu schöpfen und nicht nur mit hydraulischem Rettungsgerät, sondern auch bspw. mit einer Säbelsäge Fahrzeugbereiche zu durchtrennen. Sicherheitseinrichtungen am Fahrzeug, wie bspw. Airbags und Gurtstraffer können hier zur Gefahr für die eingeschlossene Person und die Einsatzkräfte werden, weshalb deren Erkennen und Lokalisierung auch Bestandteil des umfangreichen Praxistrainings war.
Am Ende der intensiven Ausbildung zeigte sich 1. Kommandant Florian Hobmeier einmal mehr überzeugt, dass die Einsatzkräfte der Burghauser Feuerwehr nicht nur über das passende Rüstzeug für derartige Lagen verfügen, sondern sich auch fachlich auf einem hohen Ausbildungsstand bewegen. „Wir haben genau das trainiert, was wir im Ernstfall brauchen und ich danke allen Beteiligten für ihr großes Engagement“, so Hobmeier abschließend.






























